Die Wahrheit über mein Auslandsjahr aka der letzte Blogbeitrag

Es ist soweit: mein letzter Beitrag auf meinem Blog goudadiary.com. Viel Mühe, Zeit und Liebe habe ich in meinen Blog investiert, um immer über die interessantesten Dinge berichten zu können. Und weil ich liebe Leser habe, auch immer wieder sehr positive Reaktionen bekommen.

Mein letzer Blogbeitrag soll etwas sehr Persönliches werden. Oft habe ich über die Niederlande berichtet, wie es ist hier zu wohnen und was das für ein Land ist, doch jetzt soll es um meine eigenen Erfahrungen in diesem Jahr gehen. Denn schließlich heißt mein Blog goudaDIARY, also ‚Tagebuch aus Gouda‘.

Ob die Niederlande an sich, meine Organisation ASF oder mein Projekt De Ark – ich werde von positiven und auch negativen Dingen berichten, die ich hier so noch nicht niedergeschrieben habe.

Bleibt dran, denn es wird spannend.

Die Niederlande

Zuallererst möchte ich auf mein Gastland, die Niederlande, eingehen. Obwohl ich manchmal Zweifel hatte, ob ich nicht doch lieber wie geplant in die USA hätte gehen sollen, bin ich dann doch ganz froh, hier gelandet zu sein. Durch meine Zeit hier habe ich eine neue Sprache gelernt, viele neue Leute kennengelernt und ich hatte die Chance, im Juli wieder zurückzukehren.

Es gibt auch viele positive Dinge an der Niederlande, die ich euch nicht vorenthalten möchte: zum Einen gibt es überall schnelles Netz. Egal ob im Wald, auf der Autobahn oder im Dorf, mein Handy hatte in 99% der Fälle LTE. Da könnte sich Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden.

Was ich auch super finde, ist dass man so gut wie überall bargeldlos bezahlen kann. Am Anfang etwas ungewohnt, weil man an manchen Orten gar nicht mehr mit Bargeld bezahlen darf, aber im Endeffekt doch praktisch. Man spart sich dicke Portemonnaies voller Kleingeld und kann über Online-Banking immer nachvollziehen, wofür man sein Geld ausgegeben hat.

Außerdem finde ich es wunderbar, dass es Kassen gibt, an denen man die Möglichkeit hat, selbst seine Waren einzuscannen, und sich somit so viel Zeit lassen kann, wie man will.

Und noch ein großer Pluspunkt: da die Niederlande im Vergleich zu Deutschland so klein ist, sind die Wege nie zu lang. Länger als allerhöchstens drei Stunden braucht man nie, von Gouda bin ich in Den Haag, Rotterdam und Utrecht in 20 Minuten.

Doch jedes Land hat auch ein paar Nachteile. Was ich sehr vermisst habe, war die große Auswahl an Nahrungsmitteln, die es in deutschen Supermärkten gibt. Hier gibt es außerdem wenig vegetarische oder vegane Alternativen und vieles ist unnötig in Plastik eingepackt. Hinzukommt, dass das Ganze dann auch noch teurer ist.

Aber um es mal zusammenzufassen: auch, wenn die Niederlande bestimmt nicht perfekt ist, so war sie doch eine schöne zweite Heimat für dieses Jahr. Ich werde sie immer in meinem Herzen tragen.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF)

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich das erste Mal von dieser Organisation gelesen habe. Es war ein Gefühl wie verliebt sein, zu merken, dass man etwas gefunden hat, was richtig zu einem passt und einen glücklich machen kann.

Umso größer war die Freude dann, als ich dann auch mit ASF meinen Freiwilligendienst machen durfte.

Grundsätzlich kann ich auch nach dem Jahr immer noch sagen, dass ich mich mit dem Ziel der Organisation, für Frieden und Versöhnung in den vom Nationalsozialismus getroffenen Ländern zu sorgen, identifizieren kann. Gerade bei den Seminaren wurde dieses Thema auch sehr eingehend behandelt, was mir sehr gut gefallen hat. Ich habe viel dazu gelernt und werde mich auch in der Zukunft immer noch für dieses Thema interessieren.

ASF kann ich also grundsätzlich wirklich weiterempfehlen. Es gibt eine große Auswahl an Ländern, in denen man seinen Freiwilligendienst absolvieren kann, sowie fünf große Projektbereiche. Für Menschen, die sich politisch, geschichtlich oder sozial engagieren wollen, also genau das Richtige.

Doch leider muss ich sagen, dass ich mit meiner Betreuung in der Niederlande nicht immer zufrieden war. Gerade zu Anfang meines Jahres habe ich wirklich mit mir gehadert, ob die Stadt Gouda als auch mein Projekt wirklich zu mir passen. Dementsprechend haben mich auch kleinere Dinge schon sehr heruntergezogen, wie zum Beispiel, dass in einem Hefter, den wir bekamen, für alle anderen Städte in der Niederlande Tipps aufgezählt wurden, nur für Gouda nicht.

Leider wurden meine Unsicherheiten teilweise nur noch verstärkt. Viele Treffen fanden immer nur in Amsterdam statt, was ich schade fand, denn schließlich wohnte die Hälfte der Niederlande-Freiwilligen in anderen Städten.

Was mich nach wie vor etwas traurig stimmt, ist, dass ich nicht die Möglichkeit bekommen habe, eine/n Zeitzeugen/in zu treffen. In einigen der Projekten war dies integriert, in meinem leider nicht. Jedoch meldete ich mich direkt zu Anfang freiwillig, als ich hörte, dass noch ein oder zwei Zeitzeugen frei waren. Jedoch wurden diese an Freiwillige in Amsterdam vergeben.

Mehrere Male habe ich auch Probleme in der Ark angesprochen und da um Unterstützung gebeten, die jedoch leider nicht in dem Maß bekommen, wie ich sie mir gewünscht hätte.

Dies sind nur einige der Punkte, die mein Auslandsjahr anders ablaufen ließen, als ich es mir gewünscht hätte. Sicherlich gibt es viele Freiwillige, die in ihren Organisationen viel Schlimmeres erlebt haben, trotzdem hat mich dies doch einige Zeit beschäftigt.

Durch meine Erfahrung hier kann ich jedoch nicht auf die Koordination in anderen Ländern schließen. Grundsätzlich habe ich immer noch ein sehr positives Bild von ASF und empfehle es gerne weiter.

De Ark

Vorab: die Arbeit mit geistig Behinderten war definitiv eines der schönsten Dinge, die ich hier erlebt habe. Sie sind so nette, lustige und liebevolle Menschen, die ich ganz bestimmt vermissen werde. Ihre Offenheit uns gegenüber weiß ich immer noch sehr zu schätzen.

Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Assistenten war allermeistens sehr angenehm. Mit vielen haben wir uns gut verstanden und mit Einzelnen sogar angefreundet. Über die Freundschaft, die ich mit meinen Mitfreiwilligen in der Arche geschlossen habe, bin ich nach wie vor sehr dankbar.

Doch um ehrlich zu sein, freue ich mich schon darauf, wenn ich am 31. August wieder nach Deutschland zurückkehren kann. Die Zeit in der Arche war nämlich oft alles Andere als einfach.

Leider war es von Anfang an schwierig mit den Mitarbeitern, die hier in unserem Wohnhaus, dem Hofstee, arbeiten. Manchmal hatten wir das Gefühl, dass sie vergaßen, dass wir hier auch wohnten. Es wurde laut gelacht und telefoniert, Besprechungen in unserem Wohnzimmer abgehalten, oder sich in unser privates Leben eingemischt.

Des Weiteren gab es Regeln, die wir zu befolgen hatten: jeder Freiwillige durfte maximal zwei Besucher hier haben, die dann auch noch, falls sie nicht zur Familie gehörten, pro Nacht 7,50€ bezahlen mussten. Die Frage, ob nicht wenigstens andere Freiwillige hier kostenlos übernachten dürften, wurde leider ignoriert.

Des Weiteren wohnte eine Katze hier, die eigentlich einer der Mitarbeiterinnen hier gehörte, die sie aufgrund der Allergie ihres Kindes nicht zuhause behalten konnte. Obwohl sie fünf Mal pro Woche hier gewesen wäre, waren doch wir verantwortlich, uns um sie zu kümmern.

Auch die Corona-Zeit war schwierig. Als ich wieder aus Deutschland zurückkehrte, wurde uns gesagt, dass wir während der Zeit, welche die Behinderten nun hier in diesem Haus arbeiteten, nicht nach unten dürften. Des Weiteren wurde uns ein Stundenplan vorgelegt, den wir nicht mitbestimmen durften als auch vorgeschrieben, dass wir nun keine Urlaubstage mehr hätten.

Generell muss ich sagen, dass während dieses ganzen Jahres unzählige Male unsere Stundenpläne verändert wurden. Letztes Jahr im Dezember hatte ich darum gebeten, mehr in der Woche und dafür weniger am Wochenende arbeiten zu dürfen, um mehr unternehmen zu können. Dabei fand ich heraus, dass leider an manchen Stellen sehr falsch gerechnet wurde, sodass ich teilweise 12 Stunden im Monat mehr als meine Mitfreiwilligen arbeitete. Diese Diskussion zog sich bis in den Juli, da die falsche Berechnung einfach nicht geändert wurde.

Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, dann denke ich immer wieder daran, wie psychisch anstrengend diese andauernden Diskussionen oder Streitigkeiten waren. Natürlich kann nicht alles perfekt sein, aber diese fehlende Organisation und Kommunikation war doch sehr belastend. Als wir bei unserem Abschlussgespräch sagten, wie stressig das gewesen war, wurde uns erzählt, dass der Stress von uns selbst und nicht den äußeren Umständen gekommen sei.

Das Positive daran ist, dass ich aus diesem Jahr stärker und selbstbewusster hervorgegangen bin. Niemandem hätte ich diesen Stress gewünscht, aber da ich ihn nun einmal erlebt habe, kann ich doch sagen, dass ich wirklich daran gewachsen bin. Ich traue mir viel mehr zu sagen, was ich denke und was mich stört. Das ist etwas, worauf ich sehr stolz bin.

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Ich hoffe, dass man durch diesen sehr persönlichen letzten Blogbeitrag gut erkennen konnte, wie mein Jahr neben all der anderen Dinge so abgelaufen ist. Leider läuft nicht immer alles im Leben so, wie man es sich gewünscht hätte, doch ich habe daraus gelernt.

Am 31.08. werde ich nach Deutschland zurückreisen. Die letzten zwei Monate waren noch einmal sehr intensiv, wenn auch von Corona geprägt. Ich bin dankbar, sie erlebt zu haben.

2020-08-31T12:00:00

  Tage

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bis

Rückreise

Mein Blog ist immer da, falls ihr noch einmal etwas nachlesen wollt für den nächsten Urlaub oder einfach nur etwas Fernweh habt. Hoffentlich hattet ihr ein wenig Freude dabei, mich auf diesem Abenteuer ‚Mein Auslandsjahr in der Niederlande‘ zu begleiten.

Ich werde es vermissen.

all the love, miriam. ❤

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The truth about my year abroad aka the last blog post

This is it: my last post on my blog goudadiary.com. I have invested a lot of effort, love and time in my blog, so that I can always report about the most interesting things. And because I have lovely readers, I always get very positive reactions.

My last blog post should become something very personal. I have often reported about the Netherlands, what it is like to live here and what kind of country it is, but now it will be about my own experiences this year. After all, my blog is called goudaDIARY.

Whether it’s the Netherlands itself, my organisation ARSP or my project De Ark – I will report about positive and negative things that I haven’t written down here yet.

Stay tuned, because it will be exciting.

The Netherlands

First of all, I would like to talk about my host country, the Netherlands. Although I sometimes doubted whether I should have gone to the USA as planned, I am quite happy to have ended up here. Through my time here I learned a new language, met many new people and I had the chance to return in July.

There are also many positive things about the Netherlands that I don’t want to withhold from you: for one thing, there is a fast network everywhere. Whether in the forest, on the motorway or in the village, my mobile phone had LTE in 99% of the cases. Germany could learn a thing or two from that.

What I also find great is that you can pay cashless almost everywhere. At the beginning a bit unusual, because in some places you are not allowed to pay with cash anymore, but in the end it is practical. You save yourself a lot of money in your wallet and you can always track what you spent your money on via online banking.

I also think it’s wonderful that there are cash desks where you can scan your goods yourself, so you can spend as much time as you like.

And another big plus: since the Netherlands is so small compared to Germany, the distances are never too long. It never takes longer than three hours at most, but from Gouda I can be in The Hague, Rotterdam and Utrecht in 20 minutes.

But each country also has a few disadvantages. What I really missed was the large selection of food available in German supermarkets. There are also few vegetarian or vegan alternatives here and much is unnecessarily wrapped in plastic. In addition, the whole thing is even more expensive.

But to sum it up: even if the Netherlands is certainly not perfect, it was a nice second home for this year. I will always carry it in my heart.

Action Reconciliation Service for Peace (ARSP)

I can still remember the first time I read about this organization. It was a feeling like being in love, to realize that you have found something that really suits you and can make you happy.

The joy was all the greater when I was allowed to do my voluntary service with ARSP.

Basically I can still say after the year that I can identify myself with the organization’s goal of peace and reconciliation in the countries hit by National Socialism. Especially during the seminars this topic was dealt with in great detail, which I liked very much. I learned a lot and will continue to be interested in this topic in the future.

So I can basically really recommend ARSP. There is a large selection of countries in which you can do your voluntary service, as well as five major project areas. For people who want to get involved in politics, history or social issues, so this is exactly the right thing.

But unfortunately I have to say that I have not always been satisfied with my support in the Netherlands. Especially at the beginning of my year, I really struggled with myself to decide whether the city of Gouda and my project really suited me. As a result, I was also very upset about smaller things, such as the fact that a booklet we received listed tips for all other cities in the Netherlands, but not for Gouda.

Unfortunately, some of my insecurities were only increased. Many meetings always took place only in Amsterdam, which I found a pity, because after all, half of the Dutch volunteers lived in other cities.

What still saddens me a little is that I did not get the chance to meet an eyewitness of the second world war. In some of the projects this was integrated, in mine unfortunately not. However, I volunteered right at the beginning when I heard that one or two contemporary witnesses were still free. However, these were given to volunteers in Amsterdam.

Several times I have also raised problems in the Ark and asked for support, but unfortunately they don’t get as much as I would have liked.

These are just some of the points that made my year abroad go differently than I would have wished. Of course, there are many volunteers who have experienced much worse things in their organisations, but this has kept me busy for some time.

However, my experience here does not allow me to draw conclusions about coordination in other countries. Basically I still have a very positive image of ARSP and I am happy to recommend it.

De Ark

First of all: the work with mentally handicapped people was definitely one of the most beautiful things I experienced here. They are such nice, funny and loving people who I will definitely miss. I still really appreciate their openness towards us.

The cooperation with the other assistants was also very pleasant most of the time. We got on well with many of them and even became friends with some of them. I am still very grateful for the friendship I made with my fellow volunteers in the Arche.

But to be honest, I’m already looking forward to when I can return to Germany on August 31st. The time in de Ark was often anything but easy.

Unfortunately, it was difficult from the beginning with the staff who work here in our home, the Hofstee. Sometimes we had the feeling that they forgot that we also lived here. There was loud laughter and phone calls, meetings were held in our living room, or they meddled in our private lives.

There were also rules that we had to follow: each volunteer was allowed to have a maximum of two visitors here, who, even if they were not part of the family, had to pay €7.50 per night. The question whether at least other volunteers were allowed to stay here for free was unfortunately ignored.

Furthermore, a cat lived here, which actually belonged to one of the staff members here, whom she could not keep at home because of her child’s allergy. Although she would have been here five times a week, it was our responsibility to take care of her.

Also the Corona time was difficult. When I returned from Germany, we were told that we were not allowed to go downstairs during the time the handicapped people were now working here in this house. Furthermore, we were given a timetable which we were not allowed to participate in, as well as being told that we now had no more days off.

In general, I have to say that our timetables have been changed countless times throughout this year. Last year, in December, I asked to be allowed to work more in the week and less at weekends so that I could have more time for activities. In the process, I found out that, unfortunately, the calculations were very wrong in some places, so that I sometimes worked 12 hours more per month than my fellow volunteers. This discussion went on until July, because the wrong calculation was simply not changed.

When I look back on this year, I keep thinking about how mentally exhausting these ongoing discussions or disputes were. Of course, not everything can be perfect, but this lack of organization and communication was very stressful. When we said at our final meeting how stressful it had been, we were reassured that the stress had come from ourselves and not from external circumstances.

The positive thing is that I have come out of this year stronger and more confident. I wouldn’t have wished this stress on anyone, but having experienced it, I can say that I have really grown. I trust myself much more to say what I think and what bothers me. That is something I am very proud of.

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I hope that this very personal last blog post made it easy to see how my year went along with all the other things. Unfortunately, not everything in life always goes the way one would have wished, but I have learned from it.

On 31.08. I will travel back to Germany. The last two months were once again very intensive, even if marked by Corona. I am grateful to have experienced them.

2020-08-31T12:00:00

  Tage

  Stunden  Minuten  Sekunden

bis

Travel back to Germany

My blog is always there, in case you want to read up on something for your next holiday or just have wanderlust. I hope you enjoyed accompanying me on this adventure ‚My year abroad in the Netherlands‘.

I will miss it.

all the love, miriam. ❤

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