Drama in Belgien

Ich habe noch nie so eine Reise gemacht, bei der am Anfang so viel schief gelaufen ist. Aber im Endeffekt kann ich wirklich darüber lachen. Also – hier meine Geschichte.

Bereits im September erfuhren wir, dass wir im November uns auf eine kleine Reise nach Belgien begeben würden, um dort ein Seminar für alle Arche-Neulinge und Freiwillige mitzumachen. Wir freuten uns, vergaßen es aber auch wieder ganz schnell, dadurch, dass wir so viele andere neue Eindrücke verarbeiten mussten.

Wir wussten auch, dass es nur ein kurzes Seminar von zwei Tagen sein würde, nämlich vom 12. – 13. November. Einen Tag davor erfasste uns dann plötzlich die Panik, noch kein Ticket zu besitzen und überhaupt auch eigentlich gar nicht genau zu wissen, welche Verbindung wir wann nehmen sollten. Unsere Organisation war also top!

Ich schrieb dann also am Abend vorher unsere Ansprechperson im Projekt an, um zu erfragen, wann wir denn also eigentlich losfahren sollten. Sie erzählte uns dann, dass sie davon ausgegangen war, dass wir das Ticket schon längst besorgt hätten! Dieses würde uns dann auch erstattet werden, aber dieses zu kaufen war uns selbst überlassen.

Wir waren alle etwas ratlos, wir hatten nur eine E-Mail auf niederländisch erhalten. Ich hatte die zwar gelesen, aber das war schon eine ganze Weile her und auch die Anderen konnten sich nicht mehr daran erinnern. Also hielten wir noch eine Krisen-Absprache und beschlossen, die Tickets einfach morgens noch am Schalter zu kaufen. Teuer würde es eh werden – aber Gott sei Dank würden wir es ja zurückerstattet bekommen.

Am nächsten Morgen standen wir extra früher auf, denn es gab eine Sache, die unsere Anreise zum Bahnhof noch zusätzlich verlängern würde: eins unserer Fahrräder war kaputt. Also musste einer meiner Mitbewohner hinten bei jemand anderem mitfahren, wodurch wir viel langsamer waren. Endlich am Schalter angekommen, dachten wir erstmal, es sei nicht möglich, dort Karten bis nach Belgien zu kaufen. Nach kurzer Panik bemerkten wir, dass wir nur nicht gut genug geschaut hatten und hatten zumindest das erste Problem gelöst: Tickets kaufen!

Doch da kam dann auch schon das Nächste auf uns zu: unser Zug, welcher uns bis nach Rotterdam bringen sollte, war zu spät, sodass wir den Anschlusszug verpassen würden! Glücklicherweise waren wir aber so früh losgefahren, sodass wir noch gerade so einen früheren Zug erwischen konnten, sodass wir auch unseren Anschlusszug schafften.

Endlich waren wir in Antwerpen angekommen! Nun dachte ich, dass wir nur das größte Drama überstanden hätten, es wurde aber nur noch schlimmer. Wir hatten eine Verbindung gewählt, sodass wir es eigentlich genau pünktlich zu unserem Treffpunkt um 12 Uhr schaffen sollten. Auf der Anfahrtsbeschreibung stand, dass wir entweder den Bus Nummer 420 oder 421 bis zu unserer Haltestelle nutzen konnten.

Das machten wir auch. Sofort als wir einen Bus mit der Nummer 421 erspäht hatten, stiegen wir dort ein, freuten uns über die günstigen Preise und dass wir es trotz allem pünktlich schaffen würden. Wir fuhren dann auch eine ganze Weile, denn auf der Anfahrtsbeschreibung hatte gestanden, dass wir circa 30 Minuten mit dem Bus benötigen würden.

Irgendwann wurde es uns dann aber etwas suspekt, denn schließlich fuhren wir schon über 30 Minuten und wir hatten immer noch nicht unsere Haltestelle erreicht. Zu allem Unglück wurde in den Bussen auch nirgendwo angezeigt, wo man sich gerade befand! Des Weiteren hielt der Bus auch nicht an allen Haltestellen, es war demzufolge dann auch sehr schwierig, Haltestellen ‚zählen‘ zu wollen.

Dann opferte sich einer meiner Mitbewohner und fragte beim Busfahrer nach, wann wir denn bei unserer Haltestelle ankommen würden. Der teilte uns dann mit: dieser Bus fuhr diese Haltestelle gar nicht an!

Unsere Gefühlslage

Zum Teil war es lustig, aber auch sehr stressig, denn nun waren wir schon zu spät und wir wussten nicht, wie viel später wir noch ankommen würden. Der Busfahrer hatte uns gesagt, wir sollten bis zur Endhaltestelle fahren und von dort aus den Bus 420 nehmen.

Irgendwann merkte ich aber an, dass an einer der Haltestellen auch die Busnummer 420 angeschrieben war. In einer Kurzschlussreaktion stiegen wir aus und fanden uns irgendwo im Nirgendwo wieder.

Von dort nahmen wir dann wirklich den Bus 420 und fragten dann dieses Mal tatsächlich auch nach, ob dieser Bus auch unsere Haltestelle anfahren würde. Und das würde er! Nun dachte ich wirklich, dass wir bald da sein würden. Aber zu früh gefreut.

Wieder saßen wir eine ganze Weile im Bus und kamen ewig nicht an. Auf die Nachfrage hin wurde uns gesagt, dass wir in vier Haltestellen da sein würden. Aber wie sollte man zählen, wenn an allen Haltestellen nur vorbeigefahren wurde?

Hilflos baten wir darum, dass er uns bei unserer Haltestelle dann herauslassen würde. Das tat er auch! Dort angekommen, waren wir erneut etwas verwundert, denn es sah wirklich nicht aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auch verstand ich die Wegbeschreibung von der Haltestelle zum Seminarort nicht, denn es passte einfach nicht auf die Gegend, in der wir nun gelandet waren. Also waren wir wieder falsch.

Nun völlig genervt als auch viel zu spät, riefen wir den Seminarleiter an und baten ihn, uns abzuholen. Google Maps hatte nämlich ergeben, dass wir von unserem Standpunkt aus noch sieben Kilometer hinter uns hätten bringen müssen!

Der kam uns dann auch holen, denn wir waren inzwischen alle echt am Ende unserer Kräfte angelangt. Es kam sogar schon der Vorschlag auf, einfach wieder zurückzufahren. Haben wir dann aber glücklicherweise ja doch nicht gemacht 🙂

Dort angekommen, waren wir überrascht davon, wie schön es dort war. Wir waren an einem großen Gebäude angelangt, umgeben von viel Wald und einem Fluss. Die Blätter waren alle herbstlich eingefärbt. Es wirkte wie der perfekte Ort für einen Wellness-Urlaub.

Hof Zevenbergen in der Nähe von Antwerpen

Wir lernten auch die anderen Seminar-Teilnehmer kennen. Es war eine relativ kleine Gruppe, die aus uns vieren und noch vier anderen Freiwilligen aus Belgien bestand. Davon waren sieben deutsch und eine polnisch.

Nach dem Mittagessen begann dann (durch uns leider zu spät) das Programm. Zuerst hatten wir ein Gespräch mit einer Dame, die für anderthalb Jahre in einer Arche in Belgien gearbeitet und gewohnt hatte und von ihren Erfahrungen berichtete. Das war sehr interessant, aber total viel Information direkt am Anfang.

Danach ging es sehr viel darum, was unser eigenes Verlangen ist. Ich glaube, wir waren alle kurz über diese lange Ansprache verwirrt, bis wir dann die Aufgabe bekamen, uns kreativ eine Möglichkeit zu suchen, um vorzustellen, was uns glücklich macht und in uns positive Gefühle hervorruft.

Nach einigem Hin- und Herüberlegen malte ich ein Blatt mit kleinen Symbolen voll – zum Beispiel ein Buch für gern lesen als auch schreiben, einen Pinsel für malen und zeichnen oder ein Keyboard für meine Liebe zum Musikmachen. Alles ordnete ich dem Thema Kreativität unter.

Was macht mich glücklich?

Zum Abschluss des Abends sahen wir noch ein Video von dem Gründer der Arche, Jean Vanier, der über die Anfänge der Arche in Frankreich sprach. Auch thematisierte er das Thema, wie wir diese Welt ein Stück besser machen können. Danach wurde gebetet.

Um den Abend ausklingen zu lassen, standen ein paar Snacks sowie ein paar Flaschen Bier bereit, sodass wir noch circa zwei Stunden miteinander verbrachten, um uns gegenseitig kennenzulernen und die Zeit dort zu genießen.

Was danach kam, fand ich eigentlich ganz schön, denn wir sahen einen Ausschnitt von dem Film ‚Der kleine Prinz‘. Dabei ging es um die Freundschaft zwischen dem kleinen Prinzen und dem Fuchs, was wir dann auf unsere Beziehung zu den Huisgenoten beziehen sollten. Es war schön und interessant, auch von den Anderen zu hören, wie schnell man gute Verbindungen zu den Bewohnern der Arche aufzubauen.

Darauffolgend sprachen wir darüber, was unsere Mission in diesem Jahr sein sollte. Dazu sammelten wir in Kleingruppen eine Stichpunkte. Die Frage war also: Warum nehmen die Archen für ein Jahr Freiwillige auf?

Unsere Antworten waren zum Beispiel:

  • das Wissen über die Arche an andere Menschen weiterzugeben
  • zu lernen, dass Menschen mit Behinderungen genauso Menschen wie wir sind
  • Erfahrungen zu sammeln
  • neue Ideen in die Arche zu bringen
  • internationale und interkulturelle Freundschaften zu schließen
Die Gegend war wunderschön!

So schnell wie das Seminar angefangen hatte, so schnell war es auch wieder vorbei. Um nicht auch noch ein Drama auf dem Rückweg zu haben, wurden wir glücklicherweise von der Seminarleiterin bis nach Antwerpen im Auto mitgenommen. Leider hatte sie die Klimaanlage voll aufgedreht und wir froren alle mehr, als wir es draußen taten. Aber im Vergleich zu unserer Bus-Geschichte war das trotzdem deutlich angenehmer.

Die Rückreise klappte dann erstaunlicherweise auch ohne Komplikationen. Wir haben unglaublich viel in diesen Tagen erlebt und sind froh, neue Erfahrungen gemacht zu haben sowie neue Dinge dazugelernt zu haben.

Am Wichtigsten: im Bus immer nachfragen, ob er auch zu unserer Haltestelle fährt! 😉

all the love, miriam. ❤

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Drama in Belgium

I have never made such a journey where so much went wrong in the beginning. But in the end I can really laugh about it. So – here is my story.

Already in September we learned that in November we would go on a little trip to Belgium to participate in a seminar for all Ark newcomers and volunteers. We were happy, but forgot it again very quickly, because we had to process so many other new impressions.

We also knew that it would only be a short seminar of two days, from November 12th to 13th. One day before, we were suddenly gripped by the panic of not having a ticket yet and not even knowing exactly which connection we should take and when. So our organization was top!

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So the evening before I wrote to our contact person in the project to ask when we should actually start. She then told us that she had assumed that we had already bought the ticket! This would be refunded to us, but buying it was up to us.

We were all a bit perplexed, we had only received an e-mail in Dutch. I had read it, but that was quite a while ago and the others could not remember it either. So we made a crisis agreement and decided to buy the tickets at the ticket office in the morning. It would be expensive anyway – but thank god we would get it refunded.

The next morning we got up extra early because there was one thing that would extend our journey to the station: one of our bikes was broken. So one of my roommates had to ride in the back with someone else, which made us much slower. Finally arriving at the counter, we thought at first that it was not possible to buy tickets to Belgium there. After a short panic we realized that we just hadn’t looked well enough and at least we had solved the first problem: buying tickets!

But then the next thing came up: our train, which was supposed to take us to Rotterdam, was too late, so we would miss the connecting train! Luckily we had left so early, so that we could catch an earlier train, so that we could catch our connecting train.

We had finally arrived in Antwerp! Now I thought that we had only survived the biggest drama, but it only got worse. We had chosen a connection so that we should actually make it to our meeting point at 12 o’clock exactly on time. The directions said that we could either take bus number 420 or 421 to our stop.

We did that too. As soon as we spotted a bus with the number 421, we got on it, were happy about the cheap prices and that we would make it on time anyway. We drove for quite a while, because the directions had said that we would need about 30 minutes by bus.

But at some point it became a little suspicious, as we were already driving for more than 30 minutes and we still had not reached our bus stop. To make things worse, the buses did not show where we were! Furthermore, the bus did not stop at all stops, so it was very difficult to ‚count‘ stops.

Then one of my flatmates sacrificed himself and asked the bus driver when we would arrive at our stop. He told us then: this bus did not drive to this stop at all!

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Partly it was funny, but also very stressful, because now we were already too late and we didn’t know how much later we would arrive. The bus driver had told us to drive to the final stop and from there take the bus 420.

But at some point I noticed that at one of the bus stops the bus number 420 was also written on it. In a short-circuit reaction we got off and found ourselves somewhere in nowhere.

From there we really took the bus 420 and then this time we actually asked if this bus would also go to our stop. And it would! Now I really thought that we would be there soon. But I was thinking wrong.

Again we sat in the bus for quite a while and didn’t arrive for ages. When we were asked we were told that we would be there in four stops. But how could you count when all stops were just passing by?

We asked helplessly that he would let us out at our stop. And he did! When we arrived there, we were again a little surprised, because it really didn’t look like I had imagined it. I also did not understand the directions from the bus stop to the seminar place, because it just did not fit into the area where we had landed. So we were wrong again.

We were totally annoyed and much too late, we called the seminar leader and asked him to pick us up. Google Maps had shown that from our point of view, we still had to cover seven kilometres!

He came to get us, because in the meantime we all had reached the end of our strength. There was even the suggestion to just drive back again. But fortunately we didn’t do that 🙂

When we arrived there, we were surprised how beautiful it was there. We had arrived at a big building, surrounded by a lot of forest and a river. The leaves were all coloured autumnally. It seemed like the perfect place for a wellness holiday.

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‚Hof Zevenbergen‘ near Antwerpen

We also got to know the other seminar participants. It was a relatively small group consisting of the four of us and four other volunteers from Belgium. Seven of them were German and one Polish.

After lunch the program started (unfortunately too late because of us). First we had a talk with a lady who had worked and lived in an ark in Belgium for one and a half years and told us about her experiences. That was very interesting, but a lot of information right at the beginning.

Then it was very much about what our own desire is. I think we were all briefly confused about this long speech until we were given the task to creatively find a way to imagine what makes us happy and creates positive feelings within us.

After some back and forth I painted a sheet of paper full of little symbols – for example a book for reading and writing, a brush for painting and drawing or a keyboard for my love of making music. I subordinated everything to the topic creativity.

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What makes me happy?

At the end of the evening we watched a video by the founder of the Ark, Jean Vanier, who talked about the beginnings of the Ark in France. He also addressed the topic of how we can make this world a little better. Afterwards we prayed.

To end the evening, there were a few snacks and a few bottles of beer available, so we spent about two hours together to get to know each other and enjoy the time there.

What came after that, I actually thought was quite nice, because we saw a clip from the movie ‚Der kleine Prinz‘. It was about the friendship between the little prince and the fox, which we should then relate to our relationship with the Huisgenotes. It was nice and interesting to hear also from the others how quickly you can build up good relations with the inhabitants of the Ark.

After that we talked about what our mission should be this year. For this purpose we collected a key points in small groups. So the question was: Why do arks accept volunteers for a year?

Our answers were, for example:

  • to pass on knowledge about the Ark to other people
  • to learn that people with disabilities are just as much people as we are
  • to gain experience
  • to bring new ideas to the Ark
  • to make international and intercultural friendships
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The surroundings were so beautiful!

As fast as the seminar had started, as fast it was over again. In order not to have a drama on the way back, we were luckily taken by the seminar leader to Antwerp by car. Unfortunately she had turned the air conditioner up to full power and we all froze more than we did outside. But compared to our bus history this was still much more pleasant.

Surprisingly, the return journey then worked out without complications. We have experienced incredibly much during these days and are happy to have made new experiences and to have learned new things.

The most important thing: always ask on the bus if it goes to your stop! 😉

all the love, miriam. Three.

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